Nachteilsausgleich bei ADHS

ADHS-Betroffene verfügen über viele ausgeprägte Fähigkeiten und Begabungen, welche sie für viele Tätigkeiten befähigen. Allerdings müssen Sie die Möglichkeit erhalten, sich Lerninhalte auf die für sie geeignete Art und Weise anzueignen. Insbesondere benötigen sie auf Grund des Aufmerksamkeitsdefizites eine gut strukturierte und ruhige Umgebung und in vielen Fällen auch mehr Zeit um sich grundlegende Arbeitsstrukturen anzueignen.

Nachteilsausgleich – warum?  

In Artikel 8 der Bundesverfassung ist festgehalten, dass alle Menschen die gleichen Rechte und Chancen haben sollen. Menschen sind jedoch verschieden. Sie haben unterschiedliche Stärken und Schwächen. Im Unterricht und im Beruf sind gewisse Fähigkeiten Voraussetzung, damit die vorgegebenen Aufgaben gelöst werden können. Sind Menschen durch körperliche, entwicklungsbedingte oder psychische Einschränkungen betroffen, können sie durch die von der Gesellschaft vorgegebenen Strukturen von einer Ausbildung ausgeschlossen werden, obschon sie eigentlich dafür geeignet wären. Der Nachteilsausgleich ermöglicht betroffenen Menschen die durch Ihre Behinderung oder unterschiedliche Entwicklung entstandenen Nachteile auszugleichen und eine ihren Fähigkeiten angemessene Ausbildung zu absolvieren. Beispielsweise kann einem ADHS-Betroffenen ein Einzelzimmer zum Lösen von Prüfungsaufgaben zugewiesen, einem Hörbehinderten die Fragen der mündlichen Prüfung schriftlich vorgelegt werden und eine Person mit motorischen Schwächen darf einen Laptop benutzen um die schriftlichen Aufgaben zu lösen. Wichtig dabei ist die Tatsache, dass alle Prüfungsteilnehmer genau dieselben Aufgaben lösen und auch genau gleich bewertet werden.

Nachteilsausgleich – ein komplexes Thema    

Oben genannte Beispiele zeigen, dass der Nachteilsausgleich sinnvoll und wichtig ist. Jedoch ist es nicht einfach für die Betroffenen einen sinnvollen Nachteilsausgleich zu finden, ohne dass die Nicht-Betroffenen sich benachteiligt fühlen. Denn er bedeutet ja, dass Betroffene und Nicht-Betroffene in bestimmten, genau definierten Punkten ungleich behandelt werden. Ausschlaggebend ist die Tatsache, dass die betroffene Person letztlich die genau gleiche Leistung erbringt wie die Nicht-Betroffene. Ein Nachteilsausgleich findet statt, wenn nicht das Lernpensum oder der Prüfungsumfang abgeändert werden, sondern der Weg wie das Resultat erreicht wird.

Die drei Kernelemente des Nachteilsausgleiches     

  1. Die Funktionsbeeinträchtigung/Behinderung muss von einer vom Kanton definierten und anerkannten Fachstelle diagnostiziert sein. Solche Fachstellen sind beispielsweise die Neuropädiatrien der Kinderspitäler, Schulpsychologische Dienste, Fachärzte und Fachärztinnen.
  2. Der durch die Beeinträchtigung entstehende Nachteil wird durch eine individuelle Massnahme ausgeglichen.
  3. Die Bildungs-, Lehrplanziele werden qualitativ beibehalten. Die Betroffenen müssen genau dieselbe Leistung erbringen und genau gleich viel Wissen wie die Nicht-Betroffenen.

Damit diese drei Kernelemente erfüllt werden können, ist immer eine individuelle Lösung notwendig, welche die Art, den Schweregrad und die Auswirkungen der Einschränkung berücksichtigt. Zudem ist die aktuelle Lernsituation zu berücksichtigen. In Standortgesprächen zwischen allen involvierten Personen werden diese drei Punkte abgearbeitet.

Nachteilsausgleich und Chancengerechtigkeit 

Fairness: Durch Kompensationsmassnahmen zum Ausgleich der Funktionsbeeinträchtigungen/Behinderungen können die geforderten Lernleistungen vollumfänglich erbracht werden.

Angemessenheit: Die Massnahme zum Nachteilsausgleich ist der betroffenen Person in ihrer aktuellen Situation angemessen, und sie führt weder zu einer Aufgabenerleichterung noch zu einer Bevorzugung.

Vertretbarkeit: Die Massnahme wird unter Einbezug der betroffenen Person getroffen. Sie muss von den Lehrpersonen und der Ausbildungsinstitution nach aussen und innen vertreten werden können.

Kommunikation: Die Massnahmen werden schriftlich formuliert und sind ohne lange Erklärung verständlich und eindeutig. 

Wo kann der Nachteilsausgleich eingesetzt werden? Der Nachteilsausgleich soll insbesondere Schülern und Lehrlingen ermöglichen, die Lernziele entsprechend ihrer Fähigkeiten vollumfänglich zu erreichen. Daher ist er nicht nur in Prüfungssituationen sondern auch bei allgemeinen Aufgaben und den Hausaufgaben anwendbar.

Mittlerweile verfügen viele Schulen und Ausbildungsstätten über ein Merkblatt. Fragen Sie nach. Sollte dies nicht der Fall sein, besprechen Sie sich mit den für die Betroffenen zuständigen Fachpersonen. Auch online sind viele Informationen zu finden.

Dieser Artikel wurde in Anlehnung an die Wegleitung – Nachteilsausgleich in Schule und Berufsbildung der interkantonalen Hochschule für Heilpädgogik (http://www.peterlienhard.ch/download/120506_nachteilsausgleich_wegleitung.pdf) verfasst.

 

xeiro ag